Schnelle Vorbereitung

GERN GELESEN

WIE MAN TRÄUME LEBT UND WAS DABEI PASSIEREN KANN ...

Schnelle Vorbereitung




Nach einer unruhigen Nacht ist Elke und Peter nicht nach Frühstück zumute. Ein heißer Kaffee reicht.

„Sollen wir wirklich fahren?”, fragt Elke einmal mehr.

„Ja, sollen wir. Mal was Neues erleben, ist doch toll.”

Elke strafft sich, überwindet sich und sagt, „Okay. Am 2. Januar.”

„Wieso am zweiten Januar?”, fragt Peter.

„Wir müssen uns einen Termin setzen, damit das wirklich klappt. Sonst eiern wir bloß rum, dauernd kommt noch was dazwischen, gibt es doch noch Termine. So können wir noch mit den Freunden Silvester feiern, uns an Neujahr erholen und dann beginnen wir das neue Jahr mit der Reise.”

„Aber bis dahin sind es nur noch 10 Tage, mit lauter Feiertagen und Wochenende”, wirft Peter ein.

„Na und? Packen können wir doch trotzdem. Lass mal überlegen. Was brauchen wir denn alles.”


Die nächsten Stunden vergehen mit Vorfreude und dem Aufstellen von Pack- und to-do-Listen. Elke fragt beim Tierarzt nach, was bei Reisen mit dem Hund zu beachten ist, den benötigten internationalen Impfausweis und die Tollwutimpfung hat Alex. Dann fährt sie mit Peter mit den Fingern im Atlas mögliche Routen ab. Sie landen in Marbella. Da sie beide Spanien nicht kennen, kann das so gut das Ziel sein wie jede andere Stadt.

Als Nina mittags aus der Schule kommt, sitzen sie immer noch an den Listen und Landkarten.

„Was ist denn hier los?”, staunt Nina.

„Wir hauen ab”, antwortet Elke fröhlich.

„Wie, ihr haut ab.”

„Wir haben gestern ein Wohnmobil gekauft und am 2. Januar fahren wir damit nach Spanien. Bis April.”

„Cool! Ich will mit!”

„Und das Abi?”

„Ach ja.” Nina mault ein bisschen.

„Wo ist das WoMo? Wohin fahrt ihr? Hab ich dann die ganze Zeit sturmfrei?”

„Ja, hast du. Aber ohne wilde Partys und überhaupt ohne fremde Leute im Haus”, stellt Peter klar. Und dann erklärt Elke Nina, was sie sich bereits mit Peter überlegt hat. Dass Nina sich um die Post kümmern, wichtige Sachen einscannen und mailen soll, wie viel Geld sie bekommt für die Eigenversorgung während der nächsten drei Monate und so einiges mehr. Nina ist mit allem einverstanden.


Elke macht sich an die schwierige Aufgabe, die Zeitungsredaktion von ihren Plänen zu informieren. Obwohl sie verspricht, für die nächsten Ausgaben noch Texte zu liefern und bereits mit einer Kollegin abgestimmt hat, dass diese sie eine Zeit lang vertritt, ist die Redaktionsleitung verärgert. Dabei ist Elke sich sicher, dass sich sofort andere Journalisten aus der Gegend auf ihren Job stürzen werden. Trotzdem hat sie ein schlechtes Gewissen.

„Musst du nicht haben”, tröstet Peter. „Du hast dich schon so oft über die geärgert. Haben sie dir denn alles Gute gewünscht? Nach deinen weiteren Plänen gefragt? Sollst du dich melden, wenn du zurück bist?”

„Bedauern haben sie auch nicht gezeigt. Nur Verärgerung.”

„Sie froh, dass du endlich den Absprung geschafft hast. Und jetzt fahren wir zum ADAC.”

Elke ist froh über die Ablenkung und darüber, auf ihrem neuen Weg wieder einen Schritt weiter zu kommen.


Beim ADAC schildern Elke und Peter ihr Vorhaben und werden mit  Landkarten, Reisetipps und Routenvorschlägen ausgerüstet.

„Die sind für Mitglieder kostenlos”, erklärt die freundliche Dame am Schalter. „Nehmen Sie noch einen Campingführer dazu. Der kostet zwar aber es ist eine Karte drin, mit der auf zahlreichen Plätzen Vergünstigungen gewährt werden. Da haben Sie das Geld schnell wieder drin.”


Das nächste Ziel ist ein Laden des Mobilfunkanbieters.

„Fürs Telefonieren buchen wir einfach das Auslandspackage auf Ihren Tarif, dann wird es günstiger, fürs Internet besorgen Sie sich am besten eine Prepaidkarte in Spanien. Das spart Roamingkosten. Und dann können Sie auch skypen, das spart Telefonkosten.”

Elke und Peter nehmen die Tipps dankbar an. Wieder was erledigt und von der to-do-Liste abgehakt.

(Nachtrag aus 2017: Mit einigen Einschränkungen sind die Roamingkosten inzwischen abgeschafft. Man sollte den genutzten Tarif aber genau darauf prüfen, denn häufig gelten Einschränkungen in der Datennutzung. Internettelefonie funktioniert jetzt auch u.a. mit WhatsApp.)


Abends ist Elke völlig erledigt aber zu aufgeregt, um Ruhe zu finden. Sie forscht im Internet nach nützlichen Apps und lädt welche fürs Wetter, die Stellplatzsuche und Routenplanung auf ihr Pad.

Peter sucht im Netz nach Informationen über Wohnmobile, Hymer, Fiatmotoren und Erfahrungsberichte anderer Reisender.


Am nächsten Morgen ruft Elkes Lieblingskollegin an. Sie betreibt einen erfolgreichen Blog und springt auch für Elke ein, wenn diese mal im Urlaub ist.

„Sehen wir uns nachher auf der PK?”

Die PK, die Pressekonferenz, hat Elke ganz vergessen. Einmal in der Woche lädt der Tourismusdirektor sämtliche Vertreter der Lokalpresse dazu ein. Die Bezeichnung Pressekonferenz hält Elke für maßlos übertrieben. Die Themen sind meist die Vorstellung irgendwelcher Veranstaltungen. Und da die sich seit Jahren nicht geändert haben, kennen alle sie schon auswendig. Die Journalisten gehen trotzdem hin, denn anschließend trinken sie gerne noch einen Kaffee zusammen, tauschen Neuigkeiten aus und bewerten Informationen. Ein gut funktionierendes Netzwerk, in dem keiner dem anderen etwas wegnimmt.

„Ach, verdammt, die PK. Ich hab eigentlich gar keine Zeit. Morgen holen wir das WoMo und ich muss noch ganz viele Texte schreiben, bevor wir weg sind.”

„Wie, ihr seid weg.”

„Ich habe gekündigt und wir fahren mit einem Wohnmobil für drei Monate nach Spanien.”

„Das ist ja ein Ding. Wieso denn? Wann denn?”

„Ich hab mich mal wieder geärgert und dann kam diese spontane Idee und dann wurde sie plötzlich Wirklichkeit und nun überholt sich alles und am 2. Januar wollen wir los.”

„Ich muss jetzt auch los. Heute wollen die mal wieder eine neue Boutique vorstellen. Wieso wirbt der Tourismusdirektor dafür? Frech. Die sollen Anzeigen schalten. Nachher erzählst du mir alles in Ruhe.”


Nach dem Telefonat holt Elke tief Luft. Nun wird ihr Vorhaben sozusagen öffentlich, denn ihre Kollegin würde es sich nicht nehmen lassen, die Neuigkeit sofort zu verbreiten. Egal. Elke konzentriert sich auf die versprochenen Texte, bis Peter ruft, dass sie nun das Wohnmobil abholen könnten.


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Dezember 2013

© Susanne Norden