3 gute Gründe etwas zu ändern

GERN GELESEN

WIE MAN TRÄUME LEBT UND WAS DABEI PASSIEREN KANN ...

3 gute Gründe etwas zu ändern




Gerade hatten Elke und Peter einen herrlichen, entspannten Urlaub in der Karibik verbracht, nun sitzt Elke wieder in ihrem kleinen Büro im Dachgeschoss ihres Hauses und die Erholung ist viel zu schnell dahin.

Mitte Dezember. Der Regen prasselt seit Tagen ohne Unterbrechung gegen die Fenster, ein kalter Wind pfeift ums Haus, es wird den ganzen Tag lang nicht richtig hell. Das passt zu Elkes Stimmung.

Die Redaktion der Lokalzeitung, für die sie schreibt, hat mal wieder einen Bericht bis zur Unkenntlichkeit gekürzt und die Fotos dazu mit einem anderen Bericht vertauscht.

„Man, die Leser müssen mich ja für vollkommen blöde halten, wenn sie das sehen. Wer weiß von denen schon, dass die Redaktion weit weg sitzt und nichts mit mir abstimmt.”

Während sie noch still vor sich hin wütet, kommt ihre zumindest auf dem Papier bereits erwachsene Tochter Nina herein.

„Ich will ausziehen.”

„Bitte?”

„Als ihr nicht da wart war alles viel besser. Es nervt total, wenn ihr immer da seid.”

„Wir nerven? Wieso? Du hast dein eigenes Reich und kannst machen, was du willst. Außerdem wirst du bekocht und deine Wäsche wird gewaschen.”

„Trotzdem, ohne euch ist es viel besser. Dann fühl mich nicht dauernd beobachtet und kontrolliert. Ich will endlich alles für mich allein entscheiden.”

„Aha? Und das Abitur?”

„Das hab ich ja bald.” Damit rauscht sie wieder ab.


Mieses Wetter, Frustjob, Nörgeltochter - Elke reicht es. Sie verlässt ihr Büro, um bei ihrem ihr Angetrauten Trost zu suchen.

„Weißt du was?”, fragt sie Peter und gibt gleich selbst die Antwort. „Am liebsten würde ich abhauen und erst zurück kommen, wenn es warm ist.”

„Mein Reden seit ´88”, antwortet er lässig.

„Wo ist es jetzt warm. Thailand? Karibik? Florida?”, träumt Elke mit in weite Ferne gerichtetem Blick.

„Florida würde ich gut finden. Da war ich noch nicht”, erklärt ihr Gatte.

„Ja, Florida, das wäre schön.” Während Elke immer noch theoretisch denkt, im am-liebsten-würde-ich-Modus, ist Peter schon bei den Tatsachen.

„Und was ist mit Alex? Den können wir für so lange Zeit nicht bei Nina lassen. Sie ist ja meist in der Schule. Wir müssen ihn mitnehmen.”

Wie aufs Stichwort kommt der kniehohe Mischling der Familie herbei und stupst Elke mit seiner nassen Schnauze an.

„Ach, du schwarzen Ungeheuer.” Elke streichelt über sein kurzes Fell. „Fliegen können wir mit dir nicht. Dafür bist du zu groß und zu alt.” Na ja, war ja auch nur so ein verlockender Gedanke, einfach alles hinzuschmeißen und zu verschwinden.

Aber Peter gibt nicht auf. Ihm gefällt die Idee zu gut.

„Spanien. Da sollte es auch leidlich warm sein und man kommt mit dem Auto hin.”

„Spanien? Das schaffen wir aber nicht in einem Rutsch. Und mit Alex mal eben ein Hotelzimmer für einen Zwischenstopp finden? Wie schwierig das ist, haben wir ja schon erlebt, als wir letztes Jahr aus Italien zurück kamen.” Schon wieder eine Hürde. Aber so ganz ernst hatte sie sowieso nicht daran gedacht, den Job hinzuschmeißen und das Kind so lange allein zu lassen. Also nein, das geht doch nicht. Das machen nur andere. Abenteurer. Menschen, die sowieso schon viel gereist sind. Und die ganz viel Geld haben. Und überhaupt.


Elke kehrt zurück an ihren Schreibtisch, um den angefangenen Bericht über die Ergebnisse einer Ausschusssitzung der Lokalpolitik fertig zu schreiben. Man, wie ihr dieser Kindergarten auf die Nerven geht. Es war mal wieder ein Hauen und Stechen um ein banales Thema, bei dem es weniger um das Allgemeinwohl als vielmehr um die Selbstdarstellung und ureigene Interessen einzelner Fraktionsmitglieder ging. Darüber würde sie gerne mal schreiben. Das würde die Redaktion aber nicht drucken, denn zu viele der Freizeitpolitiker sind im übrigen Leben Geschäftsleute und damit Anzeigenkunden des Blatts. Der Frust kehrt zurück und mit ihm eine Idee.


Wenn sie ein Wohnmobil hätten, wären sie von Hotels unabhängig. Außerdem könnte man mehr Gepäck mitnehmen. Schließlich würden sie für einen Teil der Fahrt warme Sachen und am Ziel, hoffentlich, Sommersachen benötigen. Elke kehrt zu Peter zurück.

„Und wenn wir mit einem Wohnmobil nach Spanien fahren?” Sie wundert sich selbst, dass sie an der Idee, einfach mal auszusteigen, festhält und findet sich ein bisschen unvernünftig und ein bisschen mutig. Mutig gefällt ihr besser.

„Du als Camper? Und dann so lange nur in einem Wohnmobil leben?”

Stimmt. Für Camping konnte Elke ich noch nie erwärmen. Mit fremden Leuten so eng aufeinander, Klos und Duschen teilen, dort womöglich anstehen müssen. Na, im Winter vielleicht nicht.

„Wir brauchen es ja nur für die Fahrt”, lockt sie Peter. „Wenn wir da sind, suchen wir uns eine Wohnung.”

Peter grinst nur freudig vor sich hin. Den Plan hat er schon seit einer halben Stunde im Kopf. Aber nun ist es Elkes Idee und das findet er irgendwie geschickter.

Elke nimmt Peters Grinsen als Zustimmung, und weil sie gerade so schön in Schwung ist, ruft sie gleich mal einen Wohnmobilvermieter an.

„Wie viel kostet das?”, fragt sie entsetzt seine Auskunft nach. „6.000 Euro für drei Monate im Winter für das kleinste Modell?” Auch Peter wundert sich und ist enttäuscht.


Ach verdammt, so weitermachen, wie bisher? Sich ständig ärgern? Elke denkt über eine Lösung nach. Zu gut gefällt ihr inzwischen der Gedanke, ihr Leben zu ändern.

„Wenn wir ein Wohnmobil kaufen und es nach dem Urlaub wieder verkaufen, haben wir bestimmt keine 6.000 Euro Wertverlust”, überlegt Elke laut. Da hat Peter mit seinem Ipad, das immer in griffbereiter Nähe liegt,  schon längst Adressen von Wohnmobilhändlern aus dem Internet herausgesucht. Elke gibt ihm einen Kuss. „Ach, Peter. Ich habe den großartigsten Mann der Welt.” Und das empfindet sie auch nach über dreißig gemeinsamen Jahren immer noch aus tiefstem Herzen.


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Dezember 2013

© Susanne Norden